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Wenn wir heute auf einen Bach, auf einen Fluss, über einen See oder auch auf das Meer zum Paddeln gehen, müssen wir uns im heutigen Informationszeitalter immer gut informieren. Einfach mal mit Freunden telefonieren geht auch, aber im Internet, z.B. beim KC Hilden, beim Pegeldienst, dem Deutschen Kanu Verband, dem Landeskanuverband NRW usw. bekommt man die meiste Kanu-Informationsflut.

 

Nehmen wir ein Beispiel: Die Wupper ist fast schon unser Hausbach, auf dem wir mehrmals im Jahr unterwegs sind und uns wohl fühlen. Sie ist leicht zu erreichen und bietet ein wunderbares Flusstal. Das war nicht immer so. Weil der Fluss bereits mit Beginn der Industrialisierung zur Abwasserentsorgung genutzt wurde, verkam er sehr schnell zur Kloake. Vor allem die Abwässer von Färbereien und anderen chemischen Industrien töteten nahezu alles Leben im diesem Fluss. 1914 sagte Erich Hasenclever „Jegliches Leben in der Wupper ist unmöglich. Dieser Fluss ist reines Gift.“ In den im Stadtgebiet von Leichlingen direkt an den Fluss grenzenden Schulen wurde der Unterricht daher regelmäßig abgebrochen, was man seinerzeit als „stinkefrei“ bezeichnete. (Anekdote: In den 1960ern lernten bergische Kinder in der Grundschule, die Wupper sei der „fleißigste“ Fluss Europas, weil er „im Verhältnis zu seiner Größe“ am meisten Schmutzfracht abtransportiere.)

Heute hat die Wupper zwar immer noch nicht durchgängig die Gewässergüte Klasse I, doch freuen wir uns mittlerweile die Wupper wieder ohne Bedenken in einer schönen ruhigen Umgebung, fast schon Wildnis, paddeln zu können. Um unseren naturverbundenen Sport auch naturverträglich auszuüben, müssen wir einen Mindestpegel einhalten. Bei einer Fahrt ab Wupperhof sind mindestens 60cm und ab Müngsten 73 cm am Pegel in Opladen nötig. Dieser darf auch einen Tag vor der geplanten Befahrung diesen Wert gehabt haben. Nicht nur Pegelstände sind zu berücksichtigen.

Es gelten Betretungsverbote der Ufer an bestimmten Flussabschnitten, tageszeitliche Beschränkungen, kalendarische Beschränkungen um Fischbestände zu schützen, maximale Bootszahlen und Insassen, Beschränkungen oder Befahrungsverbote an Baustellen sind zu berücksichtigen.

Oft gibt es auch komplette Sperrungen von Flüssen oder Flussabschnitten. Welche Wehranlagen gibt es auf dem entsprechenden Abschnitt, müssen oder wie können sie umtragen werden? Auch über anerkannte Tourenleiter, ohne die eine Befahrung bestimmter Strecken nicht stattfinden darf, wird diskutiert.

Weitere Informationen gelten den Wetterbedingungen, der Kleidung, Schwierigkeitsgrad des Flusses, für wen ist der Flussabschnitt geeignet: Anfänger, Fortgeschrittene, Geübte? Über all dies muss der Kanusportinteressierte in der heutigen Zeit informiert sein, und dies gilt auch für die Wupper.

Hat der gemeine Kanute sich informiert, kann die Kanutour auf der Wupper oder woanders genossen werden: Meistens steigen wir in Wupperhof ein und fahren bis nach Opladen 16 km. Auf dieser Strecke sind auch Anfänger willkommen, die sich auf Fließgewässern einüben wollen. Gemütlich geht es im Wuppertal (nicht verwechseln mit der gleichnamigen Stadt) an Felder, Wiesen und Wälder vorbei. Mit etwas Glück begegnet uns ein Eisvogel, oder Graureiher stehen am Ufer und entwenden den Anglern die Beute, die Wasseramsel ist zu sehen, auch Schildkröten wurden schon beim Sonnenbaden erwischt. Will man Fische sehen, dann lässt man sich treiben, beobachtet aufmerksam die Unterwasserwelt und kann hier und da Fische davonflitzen sehen. Es hat sich doch etwas getan seit 1914. Kleine Schwälle und Kehrwässer laden zum Üben ein. Dreht das Boot mal eine 180°-Piruette muss man sich nicht gleich chemisch reinigen lassen.

Eine Wehranlage an der alten Schleiferei Wipperkotten behindert die freie Durchfahrt. Es soll umtragen werden, weil ein Befahren nicht erlaubt ist. Das tun wir auf der linken Uferseite, paddeln noch ein Stück und genießen eine Pause am Ufer. Ist der Wasserstand über 100cm nach Regenfällen angestiegen kann hinter Opladen bis zur Mündung in den Rhein weitergefahren werden. Auf diesem Abschnitt sind noch ein fahrbares Wehr und einige Schwälle für die fortgeschrittenen Kanuten zu meistern.

Auf geht’s. Informieren alleine nutzt nicht viel. Das Paddeln kann keine Information ersetzen, man muss es tun.

 

Text: Dietmar Krakat

Gelesen 7218 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 06 Dezember 2012 14:29
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